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Popkultur

Seht hier die Kurzdoku „Elton John – The Way of the Rocket Man“

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Elton John
Foto: SSPL/Getty Images

Sir Elton John ist eine Legende der Popmusik und zählt zu den einflussreichsten Künstler*innen der modernen Musikgeschichte. Mit über 300 Millionen verkauften Platten gehört der britische Sänger, Pianist und Songschreiber zu den erfolgreichsten Musiker*innen aller Zeiten. Sein Lebenswerk umfasst über 50 Veröffentlichungen.

Ganze 50 seiner Songs erklommen die internationalen Charts. Viele davon stürmten sogar die Chartspitzen. Songs wie I’m Still Standing, Sacrifice und Rocketman sind heute Kulturgut.

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Elton John erhielt fünf Grammys und fünf Brit Awards, unter anderem für sein ganzheitliches, gesellschaftlich relevantes Lebenswerk. Auch die Filmwelt ehrt ihn im Laufe seiner Karriere mit zwei Oscars und zwei Golden Globes.

Seit 1992 ist er Teil der Songwriters Hall of Fame und hielt 1994 Einzug in die Rock and Roll Hall of Fame. Doch das Leben des musikalischen Genies ist oft ein Drahtseilakt: Anfangs muss er für seinen Erfolg kämpfen, später steigt ihm die Berühmtheit zu Kopf, mit ihr kommen die Drogen.

Auch sein Coming Out ist in seiner Zeit kein leichtes. Trotzdem wird er zu einer der ganz großen Lichtgestalten der LGBTQIA+ Bewegung, setzt sich für die AIDS-Aufklärung ein und veranstaltet Benefiz-Events.

Dies ist die Geschichte von Elton John.

Seht hier unsere Kurzdoku über Elton John (Textversion weiter unten):

50er & 60er: Kindheit & Jugend

Geboren wird Reginald Kenneth Dwight, wie Elton John eigentlich heißt, am 25. März 1947. Er besucht Grund- und Oberschule in Pinner, einem Stadtteil von London. Bereits in diesem Alter beginnt er, auf dem Klavier seiner Großmutter zu spielen.

Generell ist Musik ein stetiger Begleiter im Hause Dwight. Sie sammeln Schallplatten – ihr Sohn erhält früh Zugang zur Musik. Besonders von Little Richard und Jerry Lee Lewis ist er angetan. Elton John selbst dazu: “Ich hörte sie und das war’s: ich wollte nie mehr etwas anderes sein.”

Während dieser Zeit nimmt er an Kursen der Akademie in London teil, spielt Johann Sebastian Bach, singt im Chor. Ein fleißiger Klassik-Student sieht dennoch anders aus: Elton John verlässt die Hochschule ohne Abschluss.

Zur selben Zeit gerät sein Elternhaus in Schieflage: 1961 – Elton John ist gerade 14 Jahre alt – trennen sich seine Eltern. Seine Mutter heiratet bald wieder. Zu seinem Stiefvater Fred Farebrother – selbst ein bildender Künstler – baut Elton John eine gute Bindung auf.

Fred und seine Mutter sind es auch, die ihm 1962 ein Piano-Engagement in einem Pub beschaffen. Elton John gründet seine Band Bluesology. In dieser Zeit beginnt er auch, auffällige Hornbrillen zu tragen – in Anlehnung an Buddy Holly.

Mit 17 – kurz vor seinem Abitur – lässt er die Schulbank hinter sich und strebt endgültig eine Musikerkarriere an. Vater Dwight – ein ehemaliger Leutnant bei der Royal Air Force – gefällt das gar nicht. Er versucht vergeblich, die Ambitionen seines Sohnes auf eine bodenständige Karriere zu lenken. Elton John wiederum wird Zeit seines Lebens getrieben sein, seinem Vater zu beweisen, dass er falsch liegt.

70er: Musikalischer Durchbruch & Berühmtheit

1967 reagiert Elton John auf eine Ausschreibung des Magazins New Musical Express. Er erhält einen Songtext – geschrieben von Bernie Taupin. John vertont das Stück und schickt es Taupin. Es ist der Beginn ihrer Zusammenarbeit und Freundschaft, die bis heute anhält.

In dieser Zeit nennt sich Reginald Dwight erstmals offiziell Elton John – als Hommage an seine beiden Bluesology-Kollegen Elton Dean und Long John Baldry. Zwei weitere Jahre schreiben Elton John und Bernie Taupin Songs für andere. 1969 dann veröffentlicht das Duo sein Debütalbum Empty Sky – mit überschaubarem kommerziellem Erfolg.

Bereits 1970 hat Elton John jedoch mit Your Song seinen ersten Top-10-Hit. Dieser Erfolg läutet die kommerziell erfolgreichste Ära für Elton John ein: die 70er. Sein musikalisches Geheimrezept: gospel-inspirierte Rocknummern und ergreifende Balladen. In dieser Zeit beginnt Elton John seine heimliche Romanze mit John Reid, den er nach seinen ersten Konzerten in Los Angeles kennenlernt. Die Beziehung der beiden wird fünf Jahre andauern.

Im Herbst 1971 legt er sein Album Madman Across the Water vor. Die bewegende Single Tiny Dancer wird ein Erfolg und gehört auch dank des Films Almost Famous noch heute zu seinen ganz großen Hits.

1972 folgt Honky Château, das direkt auf Platz 1 der Billboard Charts einsteigt und diese auch mehrere Wochen dominiert. Getrieben von den Singles Rocket Man und Honky Cat startet Elton John mit diesem Album eine Erfolgsserie von insgesamt sieben Nummer-1-Alben in Folge. Das Album Don’t Shoot Me I’m Just the Piano Player kommt 1973 im astreinen Pop-Gewand daher.

Noch im selben Jahr heißt es dann: Elton goes Glam Rock! Für das Album Goodbye Yellow Brick Road wechselt er für die Aufnahmen von Frankreich nach Jamaika. Die Platte liefert Hits wie Candle in the Wind und Bennie and the Jets und wird über Nacht zum Chartstürmer. Auch seine Outfits aus schimmernden Stoffen, extravaganten Schnitten und Plateau-Boots sind eine Liebeserklärung an den Glam.

Für ihn ist es bei der Fülle an Output Zeit für eine erste Compilation: Elton John’s Greatest Hits erscheint 1974. Sie ist bis heute seine erfolgreichste Platte und zählt mit weltweit 24 Millionen verkauften Exemplaren zu den erfolgreichsten Alben überhaupt.

Nicht lange danach nimmt Elton John mit John Lennon eine neue Version des Beatles-Klassikers Lucy in the Sky with Diamonds auf – auch dieser Song toppt die US-Charts. Lennon featured John dafür auf seinem Song Whatever Gets You Thru the Night und verspricht: „Falls der Song eine Nummer 1 wird, spielen wir ihn auch live.“ Ein Jahr später treten die beiden Stars tatsächlich gemeinsam im Madison Square Garden in New York auf. Es soll Lennons letzte große Liveshow sein.

Danach geht es Schlag auf Schlag weiter: Das Album Caribou und das autobiografische Captain Fantastic and the Brown Dirt Cowboy folgen zeitnah in den Jahren 1974 und 1975. Dann wird es turbulent: Unglücklich und überarbeitet trennt sich Elton John von vielen Bandmitgliedern. Dafür holt er sich Roger Pope und Kenny Passarelli an Bord und präsentiert die neue Band bereits im Sommer vor 75.000 Menschen im Londoner Wembley Stadion. Ende 1975 folgt das Album Rock of the Westies, das sehr viel rockiger und rhythmischer ertönt. Mit dem Hit Island Girl geht das Album auf die Eins der US-Charts.

Seine Live-Outfits zieren nun Straußenfedern, ebenso verkleidet er sich als Freiheitsstatue oder Wolfgang Amadeus Mozart. Es ist auch das Jahr, in dem Elton John seinen Stern am Walk of Fame in Hollywood erhält.

1976 spricht Elton John erstmals offen über seine Bisexualität im Interview. Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits eine mehrjährige Beziehung mit seinem Manager John Reid hinter sich.

Im selben Sommer sichert er sich mit dem Kiki-Dee-Duett Don’t Go Breaking My Heart – einer Ode an den frühen Motown-Sound – erneut international die Pole Position in den Charts. Sein nächstes Studioalbum Blue Moves folgt, verfehlt nach sieben Nummer-1-Alben in Folge jedoch erstmals die Chartspitze. Für einen Megastar wie Elton John kein Thema. Oder doch?

1977 verkündet er nämlich plötzlich seinen Rückzug als Künstler. Doch es ist eher ein Umbruch: Texter Bernie Taupin sucht sich neue Projekte. Elton Johns erster Output mit neuem Texter Gary Osborne, A Single Man, performt solide. 1978 lernt Elton John über Andy Warhol seinen zukünftigen Liebhaber Vance Buck kennen. 1979 tourt der Musiker als erster westlicher Künstler durch die Sowjetunion und Israel.

In dieser Zeit versucht er sich mit dem Album Victim of Love auch am Disco-Sound, der gerade schwer in Mode ist – allerdings ohne Erfolg. Schon kurz danach nimmt auch das Duo John & Taupin die Arbeit wieder auf. Sie können eben doch nicht ohne einander.

80er: Experimente & Benefiz

1980 – Elton John ist 33 Jahre alt – erscheint bereits sein 21. Album 21 at 33. Die Albumsingle Little Jeannie klettert auf Platz 3 der Charts und markiert damit seinen größten Erfolg in fünf Jahren. Mit diesem Rückenwind spielt er noch im selben Jahr seine berühmte For Free Show im New Yorker Central Park. Unglaubliche 400.000 Menschen sind dabei.

Für die Nachfolgealben The Fox und Jump Up! holt sich Elton John Produzenten-Legende Chris Thomas ins Boot, die bereits mit den Beatles und Pink Floyd gearbeitet haben. Doch erst die Platte Too Low For Zero bricht dann 1983 wieder das Eis: Die Hits I’m Still Standing und I Guess That’s Why They Call It the Blues zementieren das Album gut ein Jahr in den Charts.

1984 heiratet Elton John – entgegen seiner inneren Überzeugung – seine langjährige Freundin Renate Blauel. Elton John wird später sagen: “Sie war die tollste Frau, die ich je getroffen habe. Es sollte einfach nicht sein. Ich habe eine Lüge gelebt.”

Ab 1985 arbeitet Elton John verstärkt mit anderen Künstler*innen zusammen. So singt er mit dem noch jungen George Michael den Song Don’t Let the Sun Go Down on Me auf dem Live Aid im Wembley Stadion. Außerdem arbeitet er mit der britischen Heavy Metal Band Saxon. Auch seine Kollaboration That’s What Friends Are For mit Dionne Warwick, Gladys Knight und Stevie Wonder wird ein Hit: Die neue Version des Rod-Stewart-Songs von 1982 toppt die US Charts, die Einnahmen werden in die HIV/AIDS-Forschung gesteckt.

Das 1989 veröffentlichte Sleeping with the Past holt sich dank der starken Hits Sacrifice und Healing Hands erstmals seit den 70ern wieder die Spitze der UK-Charts. Zu dieser Zeit verstärkt Elton John seinen Kampf gegen AIDS. Bald darauf stirbt auch Johns Freund Freddie Mercury an der Krankheit. Elton John gründet seine Elton John AIDS Foundation und beginnt, Spendengalas zu veranstalten. Auf dem Freddie Mercury Tribute Concert performt er The Show Must Go On mit Queen.

90er: Schicksalsschläge & Philanthropie

1992 veröffentlicht er The One. Es ist sein erstes Album, dass er clean nach seinem Entzug produziert. Er gesteht: “Ich habe meine Alben eigentlich immer in irgendeinem Rausch geschrieben. Und da war ich, 100% clean, und am Anfang war es echt schwierig.” Es wird mit Doppel-Platin sein erfolgreichstes Album in den Staaten seit den 70ern. John widmet es seinem früheren Liebhaber und langjährigen Freund Vance Buck, der ein Jahr später an AIDS stirbt.

In diesem Jahr spricht Elton John erstmals offen über seine Homosexualität. So fühle er sich „sehr wohl mit dem Wissen, gay zu sein”, wie er sagt. 1993 lernt er dann den Filmemacher David Furnish aus Toronto kennen. Die beiden verlieben sich und beginnen eine feste Beziehung miteinander.

Die Neunziger läuten auch die Renaissance der Disney-Filme ein. Und für einen der ganz großen Blockbuster schreibt Elton John Songs: Der König der Löwen. Megahits wie Can You Feel the Love Tonight und The Circle of Life dominieren zwei Monate die Charts. Über 15 Millionen Mal verkauft sich der Soundtrack.

1994 wird Elton John in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen. Die Rede dazu hält Axl Rose, der ihn in eine Reihe mit Mick Jagger, John Lennon und Paul McCartney stellt und ihm für seinen Einsatz gegen AIDS dankt.

Zu einem Duett von Elton John und Luciano Pavarotti kommt es 1997: Live Like Horses vermengt Johns astreinen Pop mit Pavarottis Stimmgewalt. Der Song steigt in die Top 10 ein. John selbst feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag – ein Fest der Extraklasse mit 500 geladenen Gästen und Elton John als Sonnenkönig.

Doch 1997 wird auch ein schicksalsschweres Jahr für ihn: Im Juli wird sein langjähriger Freund, der weltberühmte italienische Modeschöpfer Gianni Versace, in Florida von einem Stalker erschossen. Nur einen Monat später hat seine Freundin Prinzessin Diana einen tödlichen Autounfall in Paris.

Er will sich seinen Schmerz von der Seele singen und bittet Bernie Taupin, den Text von Candle in the Wind Diana zu Ehren anzupassen. Am 6. September spielt Elton John den Song das erste und einzige Mal während der Beisetzung Dianas in Westminster Abbey. Die Aufzeichnung wird mit 33 Millionen verkauften Exemplaren die erfolgreichste Single aller Zeiten. Die Erlöse von über 50 Millionen Pfund verteilt er auf Wohltätigkeitsorganisationen, die Diana unterstützte.

Noch im selben Jahr schlägt ihn Queen Elizabeth II für seine “services to music and charitable services” zum Ritter des britischen Königreichs.

2000er: Elton John im Rap-Game & weitere Meilensteine

Während der Grammy Awards 2001 performt Elton John zusammen mit dem noch jungen Eminem dessen Überhit Stan.

2003 katapultiert ihn dann ein DJ Ashley Beedle Remix von Are You Ready for Love von 1979 wieder an die Spitze der UK Charts. Er selbst plant mittlerweile eine dreijährige Show im Ceasar’s Palace in Las Vegas mit insgesamt 75 Shows: The Red Piano startet 2004 als großes Multimedia-Erlebnis. Er teilt sich die Auftritte mit niemand geringerem als Celine Dion.

Dann tritt 2005 endlich der “Civil Partnership Act” in Kraft. Elton John und David Furnish gehören zu den ersten Paaren in Großbritannien, die offiziell eine “eingetragene Lebenspartnerschaft” eingehen.

Danach feiert Elton John gleich einige weitere, unglaubliche Jubiläen: Im März 2007 spielt er zum 60. Mal im Madison Square Garden und feiert damit gebührend seinen 60. Geburtstag. 2008 findet dann seine 200. Show im Ceasar’s Palace in Las Vegas statt. 2009 folgt er Jerry Cartells Einladung, Klavier im Alice-in-Chains-Song Black Gives Way to Blue zu spielen.

2010er: Lebende Legende

Anfang 2010 duettiert Elton John während der Grammys mit Lady Gaga am Klavier. Noch im gleichen Jahr veröffentlicht er sein neues Album The Union zusammen mit seinem Weggefährten Leon Russell. 2010 gründen Elton John und sein Lebenspartner David Furnish eine Familie: Ihr Sohn Zachary Jackson Levon Furnish-John kommt zur Welt. Eine Leihmutter aus Kalifornien erfüllt ihnen den sehnlichen Wunsch.

2011 setzt er seine erfolgreiche Show The Red Piano in Las Vegas mit The Million Dollar Piano fort. Auch diese Konzertreihe dauert drei Jahre. Noch am 8. Oktober desselben Jahres spielt Elton John ebendort sein unglaubliches 3000. Konzert.

Außerdem beehrt er die Queen 2012 zum Diamant-Jubiläum ihrer Krönung im Buckingham Palace mit mehreren Songs. Noch im selben Jahr veröffentlicht Elton John sein erstes Remix-Album Good Morning to the Night zusammen mit dem australischen Duo Pnau. Dieser erfrischende Ansatz wuppt den Output auf Platz 1 der UK-Charts.

Anfang 2013 vergrößert sich das Familienglück im Hause Furnish-John: Elijah Joseph Daniel Furnish-John wird geboren. Auch ihr zweiter Sohn erblickt durch dieselbe Leihmutter das Licht der Welt.

Wenig später duettiert Elton John den neuen Chartstürmer Ed Sheeran in seinem Song The A Team bei der 55. Grammy Verleihung. Auch sein Faible für die Rockmusik lässt ihn nicht los: So steuert er zum Queens-of-the-Stone-Age-Album …Like Clockwork Klavier und Gesang bei. Kurz darauf wird er für seinen “lasting impact” auf die britische Kultur mit dem “Brit Icon Award” ausgezeichnet, der erstmals verliehen wird.

Im neunten Jahr ihrer eingetragenen Partnerschaft geht für Elton John und David Furnish – so wie für viele andere gleichgeschlechtliche Paare – ein Traum in Erfüllung: Die Ehe für alle wird – zumindest in Großbritannien – gesetzlich. Die beiden heiraten am 21. Dezember 2014.

Sein Album The Diving Board folgt und offenbart ein reduziertes Setup aus Piano, Bass und Schlagzeug als Hommage an Elton Johns Anfangszeit. Für den Nachfolger Wonderful Crazy Night 2016 trommelt Elton John zum ersten Mal seit langer Zeit wieder seine Band zusammen.

Ende 2016 muss die Welt einen weiteren großen Verlust verkraften: Johns enger Freund George Michael verstirbt am zweiten Weihnachtsfeiertag. Während einer Show in Vegas spricht Elton John sichtlich ergriffen über ihn: “Er gehört zu den liebenswürdigsten und großartigsten Menschen, die ich je getroffen habe.”

2017 wird Elton John Teil eines einzigartigen Filmprojekts: The American Epic Sessions ist eine Dokumentation, in der die lang verschollen geglaubte elektrische Klang-Aufnahme-Maschine – die “electrical sound recording machine” – von 1925 nach jahrelanger Recherche und Ingenieursarbeit wieder instandgesetzt wird.

Es fällt schwer, sich eben diese Musikwelt ohne lebende Legenden wie Elton John vorzustellen. Dennoch verkündet er am 24. Januar 2018 – mittlerweile ist er selbst in seinen Siebzigern – das Ende seiner Karriere. Seine Abschiedstour Farewell Yellow Brick Road beginnt 2018 und soll 2023 nach insgesamt mehr als 300 Konzerten enden.

“Ich hatte ein großartiges Leben und Karriere, aber mein Leben hat sich geändert. Meine Prioritäten sind jetzt unsere Kinder, mein Ehemann und unsere Familie”, sagt er über diesen Schritt. 2019 geschieht dann, was längst überfällig erscheint: Mit Rocketman kommt endlich ein Film über sein Leben in die Kinos. Den neu geschriebenen Titelsong (I’m Gonna) Love Me Again nehmen Elton John und sein Hauptdarsteller Taron Egerton gemeinsam auf. Der Track bringt Elton John einen weiteren Academy Award in der Kategorie “Best Original Song” ein.

Im Sommer 2019 macht er während seiner Abschiedstournee in Frankreich Halt. Präsident Emmanuel Macron nutzt die Chance und zeichnet Elton John im Pariser Élysée Palast mit dem La Légion d’honneur aus – der höchsten französischen Auszeichnung für Zivilcourage.

Nicht lange danach erscheint seine – Zitat – “erste und einzige Autobiografie” mit dem Titel Me. Im Buch reflektiert er ausführlich seinen Kampf mit den Depressionen und seiner Abhängigkeit, sogar seine Diagnose auf Prostatakrebs ist Thema.

2020er: Collabos & Rückzug aus dem Showbiz

Anfang 2020 kommt es endlich zur Zusammenarbeit zwischen dem Rocketman und dem Prince of Darkness: Elton John spielt Klavier in der Ballade Ordinary Man auf Ozzy Osbournes gleichnamigem Album.

Im Angesicht der Corona-Pandemie muss Elton John seine Abschiedstournee unterbrechen. Also tut er, was er schon immer getan hat: Er macht Musik. The Lockdown Sessions ist ein Collab-Album. Von Miley Cyrus, Lil Nas X, Nicki Minaj und Dua Lipa bis zu Ikonen wie Eddie Vedder, Stevie Wonder und Stevie Nicks schafft Elton John den Spagat zwischen klassischem Pop und einem Sound am Puls der Zeit.

Der Track Cold Heart (Pnau Remix) mit Dua Lipa vermengt seine Songs Sacrifice und Rocketman zu einem neuen Hit, der auf Platz eins der UK Charts durchmarschiert. Es ist nach Ghetto Gospel sein erster Nummer-1-Hit seit 16 Jahren. Damit ist Elton John der erste Künstler überhaupt, der in Großbritannien Top-10-Hits in insgesamt sechs Jahrzehnten vorweisen kann.

Ebenfalls Teil der Lockdown Sessions ist Merry Christmas – ein traditioneller und verspielter Weihnachtssong, geschrieben mit Ed Sheeran. Zur Belohnung gibt’s Platz eins in vielen Ländern. Alle Einnahmen des Songs kommen unter anderem der Elton John AIDS Foundation zugute.

Ist Elton John nun Glücksritter oder Großmeister? Er ist ganz sicher beides. In sechs Jahrzehnten beispielloser Karriere hat er sich herausgefordert und bewiesen, hat überrascht und provoziert. Er hat sich stetig neu erfunden und dabei künstlerische und gesellschaftliche Hürden überwunden, hat Herzensangelegenheiten eine Stimme gegeben und angestaubte Tabus gebrochen. Und er hat der Welt einen unglaublichen Schatz zeitloser Popmusik geschrieben.

Sobald sich der Rocketman mit seiner Farewell Tour gebührend von seinen Fans verabschiedet hat, wird er sich seinem nächsten Abenteuer widmen. Er geht in die Geschichte ein als Ikone der modernen Kunst, als ein Musiker von grenzenloser Kreativität, als Vordenker seiner Zeit und als ein Mensch mit einem wahrlich großen Herzen.

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Die größten Songs von Elton John: 10 Meilensteine aus der Feder des „Rocket Man“

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„Hot Space“ verwandelt Queen vor 40 Jahren in eine Dance Pop-Band

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Queen
Foto: Kent Gavin/Mirrorpix/Getty Images

Vor 40 Jahren erschien Hot Space — jenes Queen-Album, das im Werk der legendären Band so richtig aus der Reihe tanzt. Betonung auf: Tanzt, denn hier regiert nicht heroischer Rock, sondern Disco. Bei vielen gilt die Platte als ungeliebter Ausreißer — wird ihr da Unrecht getan?

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Hot Space hören:

Es gab Zeiten, da betonten Queen noch extra, keinerlei Synthesizer in ihrer Musik zu verwenden. Im Juni 1981 gab’s dann aber eine ordentliche Kehrtwende in dieser Sache, denn als die Band ins Studio ging, um an ihrem neuen Longplayer zu arbeiten, wurden Synthesizer ein tragendes Element. Mehr noch: Queen vollzogen in den Augen vieler eine unverständliche Wandlung, denn plötzlich regierten Disco, Dance, R&B und Funk den Sound des britischen Quartetts. Damit nicht genug: Queen setzten sogar Drumcomputer ein — und die stets omnipräsente Leadgitarre von Brian May ordnete sich einer anderen Funktion unter.

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Roger Taylor sagt: John Deacon ist schuld

Geht es nach Schlagzeuger Roger Taylor, war es Bassist John Deacon, der die ersten musikalischen Impulse in diese Richtung setzte. „John war schon immer R&B-orientiert, unser Bassist, der Another One Bites The Dust schrieb, … was sich als die meistverkaufte Platte des Jahres herausstellte. Und ich glaube, das war der Song, der uns in diese Richtung katapultiert hat“, sagte Taylor damals — legte dann aber gleich nach, dass die Band mittlerweile der Meinung war, es etwas übertrieben zu haben. „Ich denke, wir sind zu weit gegangen und haben zu viel getan. … Jeder in der Band empfindet das jetzt so“, so Taylor.

Allerdings ist es nicht Deacon, dem im Nachhinein von der Band (minus Mercury) der schwarze Peter zugeschoben wurde — sondern Freddie Mercurys damaliger Manager Paul Prenter. Der war zwischen 1977 und 1984 für Freddies persönliche Angelegenheiten zuständig und übte in den Augen Taylors etwas zu viel Einfluss auf seinen Klienten aus. Und zwar so sehr, dass Taylor meinte, Prenter wollte Queen nach Gaybar klingen lassen. Eine Erklärung der etwas anderen Art hatte einer der Produzenten, Reinhold Mack, parat: Prenter habe Rockmusik gehasst — und habe Mercury regelrecht im Ohr gelegen.

Auch an die Aufnahmesessions an sich erinnert sich die Band nicht unbedingt gerne: Besonders die Aufnahmen in München (als zweiter Ort fungierte Montreux) zogen sich in die Länge. Die Band pflegte laut Brian May einen ungesunden Party-Lebensstil der in Orientierungslosigkeit resultierte.

Disaster und „Disco sucks“

Dass viele Fans und Kritiker*innen enttäuscht waren, ist wenig überraschend — denn Hot Space war definitiv eine Abkehr von dem, was die Band davor gemacht hatte. Der ehemalige Manager der Band, Jim Beach, sprach in der 2011 erschienenen Doku Queen: Days Of Our Lives sogar von einem regelrechten Desaster und erinnerte sich Fans, die mit „Disco sucks“-Banner zu Konzerten der Band kamen.

Das empfanden allerdings längst nicht alle so: Denn Michael Jackson verehrte das Album, bezeichnete es sogar als Inspiration für seinen Megaseller Thriller. Natürlich, bei Hot Space hat man es mit einem Ausreißer zu tun, einem Experiment einer etablierten Band, das längst nicht jeder gut fand und für viele sogar eine regelrechte Enttäuschung war. Und tatsächlich, in den nachhaltigen Queen-Kanon hat es daraus nur ein einziges Stück geschafft: das mit David Bowie in einer spontanen Session in Montreux entstandene Under Pressure, das für die Band in Großbritannien zum Nummer-eins-Hit wurde. Auch hier waren wieder Deacon und seine unglaublich eingängige Basslinie (wie schon bei Another One Bites The Dust) ausschlaggebend.

Zwei Jahre später kehrten Queen mit The Works wieder zu alter Form zurück. Hot Space geht auf alle Fälle als Experiment der Band in die Geschichte ein — als eines, das Teile der Band wohl gerne wieder rückgängig gemacht hätten, das aber auf alle Fälle ein kurzweiliges und interessantes Album ist, das dem damaligen Zeitgeist Rechnung trägt. Was Queen auch genügend Fans vorgehalten haben.

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Popkultur

25 Jahre „OK Computer“: Wie Radiohead den Prog neu erfinden

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Radiohead
Foto: Jim Steinfeldt/Michael Ochs Archives/GettyImages

Das Label geht von einem Flop aus, die Band setzt alles auf eine Karte: 1997 veröffentlichen Radiohead ihr drittes Album OK Computer. Die Bedenken sind unbegründet: Das Album wird zum kommerziellen Erfolg und gilt heute als eine der besten Platten aller Zeiten. Die ganze Geschichte der modernen Prog-Rhapsodie.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Ok Computer hören:

Es ist 1997, und in Großbritannien hat man so langsam aber sicher genug von Britpop. Die anfängliche Euphorie ist verfolgen, die Aufregung rund um den Battle Of Britpop von 1995 längst vergessen, die Sperenzchen und Eskapaden der Gebrüder Gallagher öde. Sicher, Be Here Now ist ein weiterer Oasis-Megaseller, doch die britische Rockmusik sehnt sich insgeheim nach einer neuen Marschrichtung. Die kommt von Radiohead – von wem auch sonst, wie man aus heutiger Sicht treffsicher urteilen würde. Mit ihrem dritten Album OK Computer sorgen sie nicht nur für einen der ganz großen Klassiker der intelligenten Rockmusik; sie erfinden mal so eben den Prog neu und führen die Musik des Königreichs mit sicherer Hand gen neues Jahrtausend.

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Desillusioniert in den Staaten

Das war damals selbst ihnen nicht zuzutrauen. Oder doch? Schauen wir uns mal ihre bemerkenswerte Karriere bis zum Release von OK Computer an: Ihr Debüt Pablo Honey erscheint 1993, ein schroffes und kratziges Rock-Album, das mit Creep ihren ersten Megahit enthält, ansonsten aber noch in die Kategorie „ausbaufähig“ fällt. Das nehmen Radiohead sehr ernst. Die Band, die sich 1985 an einer Jungenschule im ländlichen Oxfordshire gründet, wird durch Presse, Radio und Fernsehen gereicht, eine desillusionierende USA-Tour besiegelt fast das Schicksal der Band.

The Bends, ihr zweites Album von 1995, zeigt eine merklich gereifte, angekratzte, bittere Band. Die nackte Emotion, die Verletzlichkeit und die Verzweiflung machen die Platte zu einer der definitiven Scheiben der Neunziger. Lange Touren mit R.E.M. oder Soul Asylum durch Nordamerika, Europa und Japan folgen, wieder merkt die Band, dass sie echt nicht für die Straße gemacht ist, dass Touren zermürben, aufreiben, aushöhlen. Dennoch kommt es auf der Tour zu einer folgenschweren Begegnung mit Brian Eno. Für seinen Charity-Sampler nehmen Radiohead am 4. September 1995 die Nummer Lucky auf – in fünf Stunden.

Diese spontane, impulsive, unmittelbare Arbeitsweise löst etwas aus in der Band. Das ist bitter nötig, immerhin steht sie gerade vor dem riesigen Problem, einem sehr erfolgreichen Album einen Nachfolger zu bescheren. Sie beginnen im Juli 1996 die Aufnahmen in ihrem eigenen Canned Applause Studio, treten aber trotz der anfänglichen Inspiration auf der Stelle, kommen nicht vorwärts. Da erscheint die Einladung von Alanis Morissette, mit ihr durch die Staaten zu touren, natürlich verlockend. Was die Band nicht wissen kann: Diese Tour wird OK Computer überhaupt erst möglich machen. Bei einem Konzert erhalten sie Besuch von Regisseur Baz Luhrmann, der gern einen Radiohead-Song in seinem kommenden Film Romeo und Julia haben würde.

Wo sind die Hits?

Exit Music (For A Film), Radioheads wunderschöner Beitrag zum Shakespearschen Drama, wird zur Initialzündung für die Metamorphose. Sänger Thom Yorke sagte später mal: „Das war unsere erste Aufnahme, bei der mich jede Note berauschte. Darauf konnte ich stolz sein, das konnte ich laut aufdrehen und dennoch jede Sekunde genießen.“ Der Rest geht schnell: Sie quartieren sich in St Catherine’s Court ein, einem historischen Anwesen bei Bath, breiten sich in dem elisabethanischen Haus aus und nutzen Treppenhäuser oder Korridore für die Aufnahmen. Zwischen September 1996 und März 1997 entsteht dort ein Album, das erst mal zum Schreckgespenst für ihr damaliges Label Parlophone wird. Dort erwartet man natürlich ein zweites The Bends, ein Alternative-Rock-Manifest für eine verlorene Generation oder mit anderen Worten: Singles, Hits und klingende Kassen.

Da machen Radiohead aber nicht mit. Sie entschieden sich, alles auf eine Karte zu setzen, geben die 100.000 Pfund Vorschuss ihres Labels für Equipment aus und produzieren das Album mit Unterstützung von Haus-und-Hof-Produzent Nigel Godrich selbst. Mit anderen Worten: Radiohead steigen schon jetzt aus den Mechanismen des Marktes aus und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Nach der Seelensuche von The Bends richten sie ihren Blick nach außen und schreiben eine fast schon dystopische Rhapsodie, ein Album, das viel von dem vorweg nimmt, was im neuen Jahrtausend auf die Welt zurollt: soziale Entfremdung, Isolation, Konsumismus und das aussaugende Leben in der Großstadt.

Die Wiedergeburt des Prog

Musikalisch steht der nächste Quantensprung an. Wo die meisten anderen guten Bands zwischen Pablo Honey und The Bends mindestens noch eine weitere Platte gebraucht hätten, um eine ähnliche Entwicklung hinzulegen, liegen zwischen The Bends und OK Computer mindestens zwei Alben. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich Radiohead durch ihren mitternächtlichen Garten aus Rock, Prog, Pop und Electronica, ein fließendes, inhärent nachdenkliches, kunstfertig geschmiedetes Album. Kurz: ein Werk, dem ein Creep oder ein Fake Plastic Trees fehlt. Die Plattenfirma ist schockiert, weiß nicht, was sie mit dieser Musik anfangen soll. Sie setzt die Verkaufsprognose von mehreren Millionen auf eine halbe Million herab.

Und wird eines besseren belehrt: OK Computer, das ist schon der damaligen Presse klar, ist eine Wasserscheide. Lange Songs, komplexe Arrangements, eine Vielzahl an Instrumenten: Radiohead beleben den Prog neu. Ihnen gelingt das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Neunziger, ein musikalisches und lyrisches Meisterwerk, so voller Assoziationen, doppelter Böden, Schichten und Ebenen, dass man wochenlang darin abtauchen kann. Inspiriert von Bitches Brew, dem gewagten Album von Miles Davis, Ennio Morricone, Can, Pet Sounds oder dem besten Pop-Song aller Zeiten, A Day In The Live, gelingt Radiohead eine Preziose, ein seltenes Kunstwerk.

Entstanden nach einer Periode der Instabilität und Unsicherheit, erwachsen Radiohead aus ihrem Kokon und machen einfach das, was sich in diesem Moment richtig anfühlt: Musik, und das überwiegend zusammen. 80 Prozent von OK Computer sind live entstanden. Hätte ihre Plattenfirma Recht behalten, hätten Radiohead das 21. Jahrhundert nicht mehr als Band erlebt. So bescheren sie den späten Neunzigern das wichtigste Album, revitalisieren mal so ganz nebenbei den Prog und bereiten der Rockmusik den Weg ins neue Jahrtausend.

Und dennoch ist das 1997 nur der Anfang: 2000 werden Radiohead mit Kid A vollkommen den Verstand verlieren. Im streng positiven Sinne, versteht sich.

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10 Songs, die die Rockmusik verändert haben – Teil 3

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Popkultur

10 Songs, die jeder Fan von The Notorious B.I.G. kennen sollte

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The Notorious B.I.G.
Titelfoto: Ethan Miller/Getty Images

Höher, weiter, Biggie: In nur 24 Lebensjahren entwickelte sich The Notorious B.I.G. zu einem der größten Macher der Hip-Hop-Szene. Im März 1997 starb der junge Rap-Star durch ein Drive-By-Shooting. Wir haben für euch zehn großartige Songs aus seinem musikalischen Vermächtnis zusammengetragen.

von Timon Menge

1. Gimme The Loot (1994)

Als Christopher George Latore Wallace aka The Notorious B.I.G. am 13. September 1994 sein Debütalbum rausbringt, hat der Rapper bereits eine längere kriminelle Karriere hinter sich. Angeblich arbeitet er schon im Alter von zwölf Jahren als Drogendealer, 1991 landet er für den Handel mit Crack im Gefängnis. Dort verbringt er neun Monate, im Anschluss nimmt er das Demo-Tape Microphone Murderer auf. Sein Künstlername zu jener Zeit: Biggie Smalls. Der Rapper spielt damit auf sein Gewicht von etwa 150 Kilo an sowie auf seine Größe von 1,91 Metern. Das Demoband öffnet ihm die Tür zur Musikwelt, 1994 veröffentlicht er als The Notorious B.I.G. erstes Album Ready To Die. Dass sich Biggie bestens mit der Welt des Verbrechens auskennt, zeigt auch der dritte Song von der Platte, denn im Text von Gimme The Loot geht es ziemlich eindeutig um einen Raubüberfall.

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2. Juicy (1994)

Bei Juicy handelt es sich um die erste Single-Veröffentlichung von Ready To Die. The Notorious B.I.G. beschäftigt sich in der Nummer mit seinem Werdegang, seiner Kindheit in Armut, dem Traum vom Leben als Rapper, seiner kriminellen Laufbahn und seinem Erfolg in der Musikindustrie. Mit der Zeile „Time to get paid / blow up like the World Trade“ bezieht er sich auf den Terroranschlag auf das New Yorker World Trade Center am 26. Februar 1993. An jenem Tag zündeten einige Terroristen des Netzwerks al-Quaida in der Tiefgarage des Bürokomplexes eine Bombe und töteten damit sechs Menschen; mehr als 1.000 Personen wurden verletzt. Juicy gilt bis heute als einer der bekanntesten und wichtigsten Hip-Hop-Songs überhaupt.

3. Big Poppa (1995)

Zwei Künstlernamen von The Notorious B.I.G. kennen wir bereits, doch es gibt noch viele mehr, wie zum Beispiel Frank White, MC CWest oder auch Big. Mit seinem Alter Ego „Big Poppa“ beschäftigt sich der Rapper im gleichnamigen Song auf seinem Debütalbum. Der Name scheint ihm nicht zu missfallen, in der Nummer heißt es mehrfach: „I love it when you call me Big Poppa“.

4. Suicidal Thoughts (1994)

Achtung, sanftere Gemüter sollten um diesen Track möglicherweise einen Bogen machen, denn in Suicidal Thoughts geht The Notorious B.I.G. ans Eingemachte. So erzählt er in dem Song, bei dem der Titel Programm zu sein scheint, dass er glaubt, eine Enttäuschung für seine Mutter zu sein. Er habe sie beklaut, sei auf die schiefe Bahn geraten und sei sich sicher, dass sie sich im Nachhinein eine Abtreibung gewünscht habe. „I wonder, if I died, would tears come to her eyes?“, fragt er sich im Text. Zum Schluss ist er sich sicher, dass seine Mutter auf seiner Beerdigung zwar so tun würde, als würde sie um ihren Sohn trauern; insgeheim sei sie aber froh, dass er weg sei. Tatsächlich war und ist Voletta Wallace sehr sehr stolz auf ihren Sohn, wie aus unzähligen Medienberichten hervorgeht.

Depressiv? Hier bekommst du Hilfe: Wenn du selbst depressiv bist oder Selbstmordgedanken hast, kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de.) Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhältst du Hilfe von Berater*innen, die dir Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

5. Who Shot Ya? (1994)

Als The Notorious B.I.G. knapp drei Monate nach einem bewaffneten Angriff auf seinen Rap-Kollegen 2Pac die Single Who Shot Ya? veröffentlicht, wirft das einige Fragen auf. Macht sich Biggie mit dem Song über seinen (vermeintlich) ehemaligen Kumpel lustig? Wünscht er ihm den Tod? Wusste er gar etwas von dem Attentat? Fest steht: Es handelt sich bei dem Attentat um ein wichtiges Schlüsselereignis in der berühmten Fehde East Coast (The Notorious B.I.G.) gegen West Coast (2Pac), um die sich bis heute unzählige Mythen ranken. Am 7. September 1996 fallen bei einem Drive-By-Shooting erneut Schüsse auf 2Pac, diesmal kosten sie ihn sechs Tage später das Leben. Er wurde nur 25 Jahre alt. Zu den Verdächtigen zählt auch The Notorious B.I.G., doch die Umstände von 2Pacs Tod bleiben weitestgehend ungeklärt. Später gibt es noch einen Todesfall …

6. Hypnotize (1997)

Dieser Track markiert die letzte Veröffentlichung von The Notorious B.I.G., die er noch mitbekommt, denn nur fünf Tage später wird auch er Opfer eines Drive-By-Shootings und stirbt mit gerade einmal 24 Jahren an den Folgen der Schüsse. Auch an seinem Tod scheiden sich bis heute die Geister, doch es gilt laut mehrerer Quellen als wahrscheinlich, dass Musikmanager Suge Knight etwas damit zu tun hat. Diese Behauptung äußerte zum  Beispiel der ehemalige LAPD-Polizeibeamte Greg Kading, der in der Taskforce zur Aufklärung der Morde an den beiden Rappern arbeitete. Aktuell verbüßt Knight eine 28-jährige Haftstrafe wegen Fahrerflucht mit Todesfolge.

7. Mo Money Mo Problems (feat. Puff Daddy & Mase) (1997)

Die Life After Death-Single Mo Money Mo Problems erschien einige Monat nach dem Tod von The Notorious B.I.G. und verdrängte I’ll Be Missing You von Puff Daddy von der Spitze der Charts. Dabei handelt es sich um Daddys eigenen Tribut an seinen ehemaligen Kollegen Biggie. An den beiden Erfolgs-Singles kann man mühelos ablesen, wie sehr der Tod von The Notorious B.I.G. die Musikwelt zu jener Zeit beschäftigte.

8. Notorious Thugs (feat. Bone Thugs-n-Harmony) (1997)

Auch dieser Track mit Bone Thugs-n-Harmony stammt von der zweiten The Notorious B.I.G.-Platte Life After Death. Die Nummer umfasst ganze sechs Minuten und Biggie rechnet darin unter anderem mit all jenen ab, die ihm unterstellen, es habe eine Fehde zwischen ihm und 2Pac gegeben. „So-called beef with you-know-who“, heißt es in dem Song, womit der Rapper klarmacht: Wir hatten keinen Streit. Ob das der Wahrheit entspricht, lässt sich heute vermutlich nicht mehr feststellen, denn es gibt viele widersprüchliche Aussagen zur mutmaßlichen Rivalität zwischen den beiden Rappern. Bone Thugs-n-Harmony hatten kurz vorher auch mit 2Pac zusammengearbeitet.

9. Nasty Girl (feat. Diddy, Nelly, Jagged Edge, Avery Storm & Jazze Pha) (2005)

Falls euch manche Notorious-B.I.G.-Raps in diesem Track bekannt vorkommen, habt ihr völlig recht: Es handelt sich dabei teilweise um Aufnahmen, die bereits in dem Song Nasty Boy von Life After Death zu hören waren. Darüber hinaus haben die beiden Stücke aber kaum etwas gemeinsam. Natürlich sind posthume Singles oft so eine Sache, doch die hochkarätigen Gaststars wie P. Diddy und Nelly werden sich die größte Mühe gegeben haben, den Song in Biggie Smalls’ Sinne zu gestalten.

10. Old Thing Back (feat. Matoma, Ja Rule & Ralph Tresvant) (2015)

Hinter dieser Veröffentlichung steckt vor allem der norwegische DJ Matoma, der dem Song Want That Old Thing Back von 2007 einen Remix spendierte. Damit begeisterte er nicht nur Musikhörer*innen auf der ganzen Welt, sondern auch Ja Rule, der sich auf Twitter wohlwollend über den Track äußerte. Außerdem zeigen Remixes wie dieser eindrucksvoll: Sogar fast 20 Jahre nach seinem Tod ist The Notorious B.I.G. immer noch ein fester Bestandteil der Musikwelt. Leider hatte er viel zu wenig Zeit, um uns noch weitere Alben zu schenken. Ruhe in Frieden, Biggie.

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