------------

Popkultur

10 Musikbücher für rockige Stunden

Published on

Foto: Buchcover

Rock’n’Roll besteht nicht nur aus Riffs, sondern auch aus Geschichten. Ein bisschen macht das auch die Faszination aus. Weil wir alle gerade vielleicht mehr Zeit zum Lesen haben, gibt es für den Einstieg in die Welt der Krachmusikbücher hier zehn hochkarätige Empfehlungen, quasi die Greatest Hits.

von Christof Leim und Timon Menge 

1. Lemmy Kilmister: White Line Fever (2004)

Bei jeder Show. Bei wirklich jeder Show sagt Lemmy Kilmister zu Beginn: „Wir sind Motörhead, und wir spielen Rock’n’Roll.“ Für ihn selbst reicht diese Aussage nicht  mal: Lemmy spielt nicht nur Rock’n’Roll, er lebt ihn. Klar, dass da eine Menge Geschichten bei rumkommen. Zum Glück gibt es White Line Fever. Wir alle hätten es kaum verkraften können, wenn Lemmy vor seinem Ableben 2015 nicht wenigstens einige dieser Anekdoten zu Papier gebracht hätte. Ob die Anfangstage mit Hawkwind, seine Drogeneskapaden und die daraus resultierenden Begegnungen mit dem Gesetz, seine Liebesgeschichten und sein Leben mit dem Metal-Monster Motörhead: In seiner gewohnt schwarzhumorigen und charmanten Art erzählt Lemmy schonungslos und offen, was ihn sein Leben lang so beschäftigt hat. Die Erzählungen gelingen ihm, trotz Hilfe durch die Musikjournalistin Janizz Garza, nicht ganz ohne Chaos, und hin und wieder hat man das Gefühl, dass er ein wenig übertreibt. Aber ganz ehrlich: Spielt das eine Rolle?

2. Bruce Dickinson: What Does This Button Do? (2017)

Bruce Dickinson kann quasi alles: Singen wie ein Gott, olympiareif fechten, Flugzeuge fliegen – und Bücher schreiben auch. Hat er schon 1992 mit den abgedrehten Romanen über Lord Iffy Boatrace bewiesen (die an die Werke von Tom Sharpe erinnern). Irgendwann wird der Mann echt noch Papst. Seine Memoiren hat er in seiner Stammkneipe per Hand verfasst, so richtig mit Stift auf Papier (für die Jüngeren haben wir Links zur Erklärung eingefügt). Die Zettelstapel gingen dann an seinen Verlag, wo man prompt Schnappatmung bekam, weil es natürlich keine (Sicherheits-)Kopie gab. Dickinson erweist sich als hervorragender Erzähler mit viel britischem Humor und führt uns durch sein Leben, das vor allem von Neugier geprägt zu sein scheint. Dabei kommen interessanterweise andere Personen nur soweit vor, wie sie für die Story notwendig sind, denn der Sänger hat sich nach eigenen Aussagen bewusst dagegen entschieden, das Leben anderer Leute aufzuschreiben. Zitat: „Es ist ja nicht ihr Buch.“ Deshalb wird keine schmutzige Wäsche gewaschen und weder Privates noch die Familie beleuchtet. Natürlich geht es viel um Iron Maiden (Up the irons!), aber eine Aufdröselung der Bandgeschichte findet sich hier nicht. Dafür viel, zu viel über Flugzeuge und ein Psychogramm eine unprätentiösen Multitalents, quasi der normale hochgegabte Rockstar von nebenan. Ein Tipp: Die von Bruce selbst gelesene Audioversion lässt ständig an Monty Python denken. Noch cooler.

3. John Peel: Memoiren einer DJ-Legende (2005)

Fast noch interessanter als die Biografien von Musikerinnen und Musikern sind die Memoiren der Menschen hinter den Kulissen. Denn Leute wie John Peel kennen all unsere Lieblinge. Nicht nur, dass T. Rex, Nirvana und U2 dem verstorbenen britischen DJ eine Menge verdanken. Nein, immer wieder begibt er sich über die Jahrzehnte mit Grubenlampe in den musikalischen Untergrund und fördert Schätze zutage, die bis dato noch niemand auf dem Schirm hatte. Durch seine Tätigkeit bei der BBC und seine legendären Peel Sessions lernt er mehr Bands kennen als die meisten anderen und hat viele spannende Geschichten zu erzählen. Und genau davon findet ihr einige in seinen 516-Seiten-langen Memoiren.

4. Paul Stanley: Face The Music – A Life Exposed (2014)

Mitterweile haben alle vier der „GAPP“-Urbesetzung von Kiss ihre Memoiren vorgelegt: Gene ist der Geilste, Ace der Wildeste, und Peter beschwert sich viel. Pauls Biografie erscheint als letzte – und erweist sich als die Beste. Selbstredend hauen die Brüder alle ständig auf die Sahne, dass es eine Art hat, und natürlich besitzen vier Leute vier Perspektiven auf die Ereignisse, die nicht alle der Wahrheit oder dem vollen Bild entsprechen müssen. Aber Stanley wirkt am ehrlichsten und reflektiertesten dabei. Es verwundert, wie traumatisch seine Kindheit und Jugend verliefen, wie früh der Ärger in der Band losging und wie schwierig die Achtziger wirklich waren. Der Sänger schildert, wie sich seine Aussicht auf sein Leben verschiebt und er schlussendlich zu sich selber findet. Selbstredend geht es sehr oft um Kiss, Fans können hier die Geschichte der Gruppe nachvollziehen. Himmel, die waren echt der ganz heiße Scheiß ab 1975. Und Paul stellt gleich am Anfang klar: Sex gab es immer und überall. Gehört ja auch ein bisschen zu einem Rock’n’Roll-Buch.

5. Peter Grant: A Biograph By Chris Welch

„The Man Who Led Zeppelin“. Was nach einem verunglückten Kalauer klingt, ist eine dicke Ansage, denn ohne ihren Manager Peter Grant hätten sich Led Zeppelin möglicherweise nie zu einer der größten Rockbands aller Zeiten entwickelt. Mit Erfahrung, Wissen und Verhandlungsgeschick verhilft der Geschäftsmann der Londoner Band nicht nur zum bis dato größten Label-Vorschuss der Musikgeschichte, sondern auch zu einer üppigen Beteiligung an den Ticketverkäufen. Ganze 90% sacken Led Zeppelin ein; das gab es noch nie. Und nicht nur das: Grant weicht seinen Schützlingen während ihrer gesamten Karriere nicht von der Seite, im Normalfall verpasst er keine Show. Das klingt, als gäbe es einiges über diesen Mann zu erzählen, richtig? Gibt es auch. Und das gelingt dem britischen Musikjournalisten Chris Welch in dieser englischsprachigen Biografie mit Bravour.

6. Matt Taylor: MetallicaBack The Front (2016)

Das kleine Album Master Of Puppets haben wir hier auf uDiscover vielleicht ein– oder zweitausendmal am Rande kurz erwähnt. Es ist ja auch nicht so schlecht, Eingeweihte kennen es vielleicht. Zum 30. Geburtstag der Platte haben Metallica selbst ein dickes, fettes „Coffeetable Book“ herausgebracht. Geschrieben hat es Matt Taylor, von James Hetfield kommt das Vorwort, von Cliff Burtons Vater Ray das Nachwort. Dazwischen bekommt die Headbangerschaft alles, wirklich alles, was das Puppets-liebende Herz begehrt. Auf 271 Seiten wird die Entwicklung vom Songwriting im „Metallica Mansion“ in El Cerrito, über die Aufnahmen in Dänemark und die Tour mit Ozzy bis zum tödlichen Unfall von Cliff auf der triumphalen Europareise erzählt in Form einer „Oral History“. Das heißt: Wir lesen Zitate der Musiker, von Zeitzeugen, Fans und anderen Leuten in der Umgebung. Dazu gibt es eine gefühlte Million großartige Bilder, die unter anderem zeigen, wie jung die Burschen und die Thrash-Szene noch waren. Vor allem der Anfang bewegt: Hier lesen die Fans zum ersten Mal, was an diesem tragischen Morgen des 27. September 1986 in dem Bus passierte…

7. Johnny Cash: Cash — The Autobiography 

Eine Kindheit während der großen Depression, der frühe Verlust seines Bruders Jack, gravierende Drogenprobleme: Bei Johnny Cash ging es wahrlich nicht immer nur bergauf, sondern auch tief bergab. In seiner Autobiografie offenbart der wohl größte Countrymusiker aller Zeiten mit viel Tiefgang und Empathie seinen Blick auf die Welt, erzählt von früher, von später und von seiner engen Bindung zur Spiritualität. Dadurch fühlen sich diese Memoiren nur selten so an, als läse man sie bloß. Vielmehr entsteht Seite für Seite stärker der Eindruck, als säße Cash direkt vor einem und würde seine Geschichte persönlich erzählen. Eins der faszinierendsten Bücher der Musikgeschichte!

8. Zakk Wylde: Bringing Metal To The Children (2012)

Wenn ein bärtiger Wikinger ein Buch schreibt mit dem Titel Bringing Metal To The Children, wie viel ernsthafte Musikgeschichtsschreibung, authentische Quellenarbeit und introspektive Selbstfindung kann man dann erwarten? Richtig, nicht so viel. Onkel Zakk erzählt (mit Ko-Autor Eric Hendrix) vielmehr einen Quatsch, dass es eine Art hat. Los geht die Sause als eine Art Ratgeber, schließlich lautet der Untertitel „The Complete Berzerker’s Guide To World Tour Domination“, daneben streut der Mann immer wieder Anekdoten seines Lebens als blutjunger Gitarrenheld in Ozzys Band und Chef von Black Label Society ein. Eine Karriereretrospektive darf man nicht erwarten, dafür geht’s immer irgendwie um Valhalla, Vaseline und den heiligen Randy Rhoads. Ja, das wird irgendwann ermüdend, aber bis dahin ist es absurd lustig.

9. The Beatles: Die Audiostory

Die Biografie der wichtigsten Band aller Zeiten darf in dieser Auflistung natürlich nicht fehlen. Wie bereits der Titel verrät, handelt es sich bei der Beatles-Audiostory um ein Hörbuch — und genau dieses Format eignet sich hervorragend für die wilde Geschichte der „Fab Four“. Die musikalischen Einspieler sind zwar Coverversionen, doch die Original-Interviews und die akustischen Eindrücke entschädigen für alles. Von den Anfängen in Liverpool über die prägende Phase in Hamburg bis hin zum Ende in London beleuchtet die Audiostory in gut vier Stunden die gesamte Historie der Beatles. Ob Einsteiger oder langjähriger Fan: Hier lernt jeder etwas!

10. Mötley Crüe: The Dirt – Confessions Of The World’s Most Notorious Rock Band (2001)

Klar, das Ding muss hier rein. Die Mötley-Biö liest sich ein bisschen, wie ein Unfall wirkt: Man sollte vielleicht weggucken, aber kann nicht so richtig. Es ist ein Wahnsinn, was die Brüder angestellt haben. Fassen wir es kurz: Sex. Drogen. Zerstörung. Dysfunktionalität. Bescheuerte Entscheidungen. Bescheuerte Typen. Egotrips. Leidenschaft. Freiheit. Und guter Rock’n’Roll. Das mit Neil Strauss verfasste und hervorragend lesbare The Dirt gilt für die Generation Achtziger-Metal als Prototyp des Wilde-Leben-Buchs. Muss man das alles glauben? Och. Ist das vielleicht auch übertrieben Klischeebedienung? Nun ja. Ist das alles nett und politisch korrekt? Glücklicherweise nicht. Ist es unterhaltsam? Oh, verdammt ja. Deshalb wurde es ja auch erfolgreich verfilmt.

10 Thrash-Metal-Empfehlungen für den Einstieg

Popkultur

Interview mit Wanda: „Vergänglichkeit spielt für mich eine große Rolle“

Published on

Wanda
Titelfoto: Frank Hoensch/Getty Images

Die Veröffentlichung des neuen Wanda-Albums wird vom Tod des Keyboarders Christian Hummer überschattet. Losgelöst davon versammeln die Wiener auf Wanda einige ihrer stärksten Beispiele für den ureigenen morbiden Bänkel-Rock.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch das neue Wanda-Album anhören:

Es hätte alles so schön sein können. Mit ihrem fünften Album Wanda feiern die Wiener sich selbst auf ihre unerreicht morbide Art. Zugleich blicken sie auf zehn beispiellos erfolgreiche Jahre zwischen Rausch, Höhenflug und Amore zurück. Dann, wenige Tage vor Veröffentlichung des Albums, stirbt Keyboarder Christian Hummer nach schwerer Krankheit. Was bleibt, ist ein Vortex, in dem jetzt mit Wanda urplötzlich ein Abschiedsbrief für den engen Freund und Wegbegleiter herumgeistert. Das Interview mit Sänger Marco Wanda führten wir bereits im August 2022.

„Man hat uns damals versprochen, dass ein Hype auch irgendwann wieder aufhört“

Marco, ihr feiert 2022 zehn Jahre Wanda. Was macht diese Zahl mit dir, wenn du mal ein wenig Bilanz ziehst?

Es ist so schnell vergangen! Wir hatten ja kaum Zeit, das alles sacken zu lassen. Erst in der Pandemie konnten wir zurückschauen und mal reflektieren, was alles passiert ist. Man hat uns damals versprochen, dass ein Hype auch irgendwann wieder aufhört. Aber das ist nie passiert. (lacht)

Wie hast du euren Aufstieg erlebt? Es ging ja schon ab 2014 mit „Amore“ steil bergauf…

Eher rauschhaft, machtlos. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich diese Karriere jemals hätte selbst steuern können. Es ist einfach passiert. Wir wurden mitgenommen, lenken konnten wir dieses Schiff nie. So eine Karriere ist ja aber eh etwas Aberwitziges. Da kommen tausend Zufälle zusammen. Die richtigen Menschen zur richtigen Zeit kennengelernt, bestimmte Dinge bewusst gemacht oder nicht gemacht…

„Ich versuchte wie ein Alchemist, die Weltformel für einen Nummer-Eins-Hit zu finden“

Besonders richtig war ja wohl auch die Nummer Columbo, die in Österreich auf die Eins ging.

Im Gegenteil! Das war eigentlich das Schlimmste, das uns passieren konnte. Da habe ich richtig Druck verspürt und dachte, das jetzt sofort wiederholen zu müssen. Ich versuchte wie ein Alchemist, die Weltformel für einen Nummer-Eins-Hit zu finden, schrieb und schrieb wie im Fieberwahn. Es klappte nicht, und das fraß mich anfangs auf. Aber ich glaube, dann haben wir mit Ciao alles richtig gemacht: Eine Platte, die absichtlich floppt. (lacht)

Wie lernt man aus so etwas?

Indem man versucht, mehr Kontrolle zu erlangen. Erstmals in unserer Karriere fragen wir uns, was wir wollen. Welchen Stellenwert diese Band in unserem Leben haben soll. Wie viel Raum Wanda einnimmt oder weiterhin einnehmen soll. Das Ergebnis war eindeutig: Eine derartige Lust auf alles, was kommt, habe ich bei uns noch nie verspürt. Es fühlt sich nicht an wie zehn Jahre Wanda, es fühlt sich an wie das erste Jahr. Und wir freuen uns auf die nächsten 20 Jahre.

Trägt euer wunderbares neues Album deshalb auch ganz einfach den Namen der Band?

Auch. Da steckt viel drin. Musikalisch ist es ein Rundumschlag mit allem, was wir bislang gemacht haben.

„2012 war ich ein überforderter Mensch“

Als Sänger einer unbekannten, wenig erfolgreichen Band lebt und textet es sich gewiss anders als als Sänger einer sehr erfolgreichen Band. Welche Veränderungen hast du in dir und in deinen Texten entdeckt, seit Wanda erfolgreich ist?

Damals war ich ein Mystiker und ein Dichter. Heute interessiert mich viel mehr die Musik und das Geschehen auf der Bühne. 2012 war ich ein überforderter Mensch, der viele Altlasten aus seinem früheren Leben mit sich herumschleppte. Heute bin ich ein ruhigerer Mensch. Es ist mittlerweile sehr okay, ich zu sein. Ich fühle mich in meiner Gesellschaft zumindest nie gelangweilt. Textlich entdecke ich keine allzu großen Verschiebungen. Ich glaube, ich hatte schon auf Amore alles beisammen, was ich auch heute noch einsetze.

Zum Beispiel?

Vergänglichkeit. Die spielt für mich immer wieder eine große Rolle. Ich schreibe Songs für mich und für andere Menschen, und wir alle werden eines Tages sterben. Es ist nicht leicht für mich zu akzeptieren, dass wir sterblich sind.

Du hast mal gesagt, dass du dich an weite Strecken der letzten zehn Jahre nicht erinnern kannst, weil du immer betrunken warst. Wie steht es heute um deinen Hedonismus?

Hedonismus finde ich in Zeiten wie diesen sowieso seltsam. Ich trinke, ja, aber zum Beispiel nicht mehr unbedingt zügellos vor einer Show. Unsere Fans haben uns durch zwei Jahre Pandemie getragen, da haben sie es auch verdient, die bestmögliche Show von uns zu bekommen.

Klingt ja fast nach Läuterung…

Ich kann nur mit Dankbarkeit annehmen, dass ich das machen darf, was ich liebe. Vor diesem Umstand stehe ich baff und demütig da, und das eigentlich jeden Tag. Wir erschaffen etwas, das den Menschen etwas bedeutet. Bei Konzerten merke ich, dass mein Tun einen Wert hat und nicht nur meiner eigenen Befriedigung dient. Das ist das Schönste.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Kippen, Schmäh und viel Amore: 10 Jahre Wanda

Continue Reading

Popkultur

Brennende Betten, brennender Tommy und ein verhedderter Fallschirm: 5 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Tommy Lee stammen können

Published on

Tommy Lee
Foto: Emma McIntyre/Getty Images for SiriusXM

Nur fünf Anekdoten aus dem Leben von Tommy Lee? Es gäbe wahrscheinlich mindestens 5.000 zu erzählen. Diese finden wir besonders unterhaltsam, tragisch oder schockierend.

Hier könnt ihr euch Andro von Tommy Lee anhören:

1. Als er auf der Girls, Girls, Girls-Tour einen Drogendealer hinter sich herfahren ließ.

Über die Drogeneskapaden von Mötley Crüe wurde schon so viel geschrieben, dass es nahezu unmöglich ist, noch eine neue Geschichte aufzustöbern. Wir haben uns deshalb für eine der unterhaltsamsten entschieden. „Die Girls, Girls, Girls-Tour von 1987 gehört zu den geilsten Erlebnissen meines Lebens“, erzählt Schlagzeuger Tommy Lee im Interview mit dem britischen Guardian. „Zumindest glaube ich das, denn ich erinnere mich an nichts, außer an jede Menge verschwommenen Wahnsinn. Wir hatten einen mächtig großen Jet, endlos viel Kohle und konnten machen, was immer wir wollten.“

Spätestens seit der Mötley-Crüe-Bandbiografie The Dirt wissen wir alle: Egal, welche Ausschweifungen man sich so ausmalt … Tommy Lee und Co. setzen immer noch einen drauf. „Eine Zeit lang hatten wir sogar unseren eigenen Drogendealer, der in einem Luxus-Oldtimer hinter unserem Tourbus hergefahren ist“, berichtet Lee weiter. „Auf seinem Kennzeichen stand: DEALER. Wann immer wir aus dem Bus ausgestiegen sind, ist er mit seiner diamantbesetzten Rolex, seinen Goldketten und ein paar Bitches in jedem Arm aufgetaucht und hat der Band und der Crew ganze Bündel voller Koks zugeworfen. Er war der pimphafteste Dealer aller Zeiten und hatte immer seinen Partyhut auf.“ Doch die Plattenfirma von Mötley Crüe bekommt kalte Füße. Schließlich könnte die Polizei bei einem auffällig gekleideten Drogendealer in einem Luxusauto mit dem Kennzeichen „DEALER“ stutzig werden. Die Band muss sich von ihrem hauseigenen Rauschmittelhändler verabschieden. In Versorgungsnot geraten die Musiker während der Tour aber wohl trotzdem nicht.

2. Als er mit einer Leuchtfackel in einem Hotelzimmer herumspielte und das Bett in Brand steckte.

In den Siebzigern und Achtzigern gehört das Zerstören von Hotelzimmern für viele Rockstars schlicht und ergreifend dazu. Das gilt (natürlich) auch für Mötley Crüe. Als die Band 1986 durch die Schweiz tourt, nimmt sie ihren Auftrag durchaus ernst. Nicht nur, dass Schlagzeuger Tommy Lee und Frontmann Vince Neil in ihrem Hotelzimmer ein paar Leuchtfackeln anzünden. Nein, das Duo Infernale steckt damit auch gleich das Bett in Brand. Als wäre das nicht genug, zerstört die Band im gleichen Hotel auch noch die Glasfenster der Aufzüge.

3. Als sich sein Fallschirm beinahe nicht geöffnet hätte.

Sein Leben hat Tommy Lee im Lauf der Jahrzehnte immer wieder aufs Spiel gesetzt. Doch mit einem Vorkommnis hat er wohl selbst nicht gerechnet. So verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine die gefährlichste Situation, in der er sich je befand: „Das ist etwas, was du nicht hören willst, wenn du gerade einen Fallschirmsprung machst“, steigt er in die Erzählung ein. „Ich mache gerade einen Tandemsprung, bin an einen Lehrer geschnallt, er ist mit dem Fallschirm auf meinem Rücken und höre: ‚Oh, fuck!‘ Ich schaue nach oben und der Fallschirm hat sich verheddert. Er zerrt daran und kämpft mit den Seilen und ich denke: ‚Das war’s, ich bin am Arsch, es ist vorbei.‘ Aber dann hatte ich eine spirituelle Erfahrung und dachte: ‚Ich kann nichts tun. Ich werde den freien Fall einfach genießen, bis ich auf dem Boden aufschlage.’ Als ich gerade losgelassen hatte, ging der Fallschirm auf einmal auf. Nicht cool.“

4. Als er sich in Wyoming an der Pyrotechnik verbrannte.

Am 12. Oktober 2005 spielen Mötley Crüe im Casper Events Center (heute: Ford Wyoming Center) — und dabei geht einiges schief. Laut Ultimate Classic Rock habe sich Tommy Lee an jenem Abend an einem Seil zwischen verschiedenen Drumsets hin und her geschwungen, wobei er in einen Funkenregen geraten sei. Dabei habe er „oberflächliche Verbrennungen and seinen Armen und im Gesicht erlitten“ und versucht, die Show noch zu Ende zu bringen. Doch man habe auf Nummer sicher gehen wollen, wie Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil im Interview mit People verrät: „Er sah nicht gut aus, als die Sanitäter ihn hinter der Bühne behandelt haben, also haben wir uns dazu entschieden, ihn ins Krankenhaus zu schicken.“ Zum Glück sehen die Verbrennungen schlimmer aus als sie sind: Schon zwei Tage später sitzt Lee in Bismarck (North Dakota) wieder am Schlagzeug.

5. Als er ein Dickpic in den sozialen Medien postete.

Als hätte nicht sowieso schon ein ungleich großer Teil der Weltbevölkerung Tommy Lees Penis gesehen, musste der Schlagzeuger am 11. August 2022 noch einen draufsetzen — und postete in den Social Media ein Foto von seinem Gemächt. „Vor einigen Wochen hatten wir eine etwa zweiwöchige Tourpause“, erklärt der Trommler das Dickpic später im Rahmen eines Konzerts. „Und ich habe mich abgeschossen, Alter. Mich volllaufen lassen. Ich war so voll, dass ich mich ausgezogen und Bilder von meinem Schwanz gepostet habe. Dabei bin ich eigentlich ein Mann der Brüste. Ich sehe gerne Brüste. Aber ich dachte: Das ist die Nacht der gleichen Möglichkeiten. Ich wollte in dieser Nacht jedermanns Ding sehen. Komm schon, hol deinen Schwengel raus!“ Ah ja … Bei Facebook und Instagram wurde das Foto schon längst wieder gelöscht. Bei Twitter kann man sich Lees gesamte Herrlichkeit noch immer anschauen. Haben wir gehört.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Tommy Lee: Mötley-Crüe-Drummer zieht jetzt auf Only Fans blank

Continue Reading

Popkultur

5 Wahrheiten über den Sound der Deutschen Einheit

Published on

Für alle Insider*innen, jahrzehntelangen Fans, Neugierigen und Einsteiger*innen: Hier nehmen wir uns mal ein paar Minuten Zeit und präsentieren euch fünf Geschichten, Anekdoten oder Fun Facts zu einem Genre, einer Band oder einem/r Künstler*in. Einfach, weil das Leben witzigere, unglaublichere und interessantere Geschichten schreibt, als jede*r Autor*in jemals könnte.

In dieser Woche dreht sich alles um den 3. Oktober 1990, jenen Tag, an dem aus West und Ost wieder ein gemeinsames Deutschland wurde. Knapp ein Jahr zuvor, am 9. November 1989, war die innerdeutsche Mauer gefallen. Ein Ereignis, das auch in der Musik stattfand. Wir liefern fünf Wahrheiten über den Sound der deutschen Einheit.

1. Pink Floyd und die wahrgewordene Utopie

Noch im Juli meinte Roger Waters von Pink Floyd, dass es nur einen einzigen Anlass geben würde, aus dem er das bandeigene Riesenspektakel The Wall noch einmal inszenieren würde – und zwar den Fall der Berliner Mauer. Waters sah dieses Ereignis in so weiter Ferne, dass er sogar in Erwägung zog, dafür seinen Ex-Bandkollegen David Gilmour mit auf die Bühne zu holen. Knapp vier Monate später fiel die Mauer tatsächlich und im Juli 1990 wurde Waters Gedankenspiel Realität: The Wall wurde am Potsdamer Platz noch einmal aufgeführt – zwar ohne David Gilmour, aber dafür mit vielen Auftritten anderer Stars.

2. Der Boss in Ostberlin

Auftritte von westlichen Künstler*innen in der DDR waren rar gesät. 1988 etwa trat Bruce Springsteen in Ostberlin auf. Weil der SED-Zentralrat das Konzert als gute Möglichkeit der massenpolitischen Arbeit der FDJ ansah, wurde Bruce Springsteen eine Auftrittsgenehmigung für die DDR erteilt. Rund 200.000 Bewunder*innen des Bosses kamen zur Radrennbahn Weißensee, wo Springsteen seinem Wunsch Ausdruck verlieh, dass eines Tages alle Barrieren abgerissen werden sollen. Der Satz wurde aus der Übertragung des Konzertes geschnitten – änderte aber nichts daran, dass sein Wunsch gut anderthalb Jahre später Wirklichkeit wurde.

3. Das David-Hasselhoff-Gate

Auch gut 30 Jahre nach dem Mauerfall hält sich das Gerücht wacker, David Haselhoff sei mitverantwortlich für dieses geschichtliche Großereignis, da er wenige Wochen nach der Maueröffnung dort seinen Hit Looking for Freedom sang und sich Menschen aus West- und Ostdeutschland dazu in den Armen lagen. Aber: weit gefehlt. „Ich hatte nie etwas damit zu tun und habe das auch nie gesagt. Niemals“, äußerte sich der Baywatch-Star unlängst gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

4. Das Eigenleben von Freiheit

Wer an Musik und Mauerfall denkt, hat sicherlich auch Freiheit von Marius Müller-Westernhagen im Sinn. Aber: Nicht nur, dass MMW den Song schon drei Jahre vor dem Mauerfall schrieb, nein, er hatte den Fall der Mauer nicht Mal im Sinn. Die Live-Version von Freiheit entwickelte vor dem Hintergrund des Mauerfalls allerdings ein Eigenleben und wurde zur Hymne des Herbstes. „Freiheit zeigt, dass künstlerische Produkte ein Eigenleben annehmen können. Wenn es in diesem Fall dazu gedient hat, dass der Song Menschen Kraft und Hoffnung gegeben hat, ist das ein glücklicher Umstand, der mich natürlich sehr freut“, sagte Marius Müller-Westernhagen gegenüber der TZ.

5. Wind Of Change ist ein rechtlich geschützter Begriff

Klar, Wind Of Change gilt unangefochten als die Hyme der Wende schlechthin. „Mein Gedanke war: Die ganze Welt in einem Boot und alle sprechen eine Sprache – Musik. Im September entstand Wind Of Change in Deutschland und im November fiel die Berliner Mauer. Der Song drückte ein Gefühl der Hoffnung aus, dass wir alle in der Zukunft in einer friedlicheren Welt leben können“, erklärte Klaus Meine mal gegenüber dem Fernsehsender VOX. Der Song machte die Scorpions binnen kürzester Zeit zu Weltstars. Nur logisch, dass Klaus Meine und Rudolf Schenker seitdem Inhaber der Wortmarke Wind Of Change sind.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

10 Songs zum Tag der Einheit: Deutschland, die Mauer und andere Problemchen

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss

[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]