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Popkultur

Ein unterschätztes Energiebündel: „St. Anger“ von Metallica wird 20!

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Metallica
Foto: Anton Corbijn

Kaum ein Metallica-Album spaltet die Gemüter stärker. Für die einen ist St. Anger unhörbar, die anderen lieben die Platte inbrünstig. Dazwischen gibt es meist nicht viel. Wir haben für euch unter die Lupe genommen, unter welchen Umständen das Album entstand und wie es Metallica zusammenschweißte.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch St. Anger von Metallica anhören:

Über drei Dinge scheint man sich in der Metal-Welt einig zu sein: Nickelback sind scheiße, Lars Ulrich kann nicht Schlagzeug spielen und St. Anger ist das schlechteste Metallica-Album aller Zeiten. Erstes kann man so sehen, Zweites auf keinen Fall, Drittes ist eine Frage der Herangehensweise. Vergleicht man St. Anger mit der musikalischen Genialität von Ride The Lightning (1984), Master Of Puppets (1986) und … And Justice For All (1988), kann die Achte von Metallica nur verlieren. Nimmt man die lupenreine Produktion und die Knackigkeit der „Schwarzen“ als Maßstab, hat St. Anger ebenfalls keine Chance. Doch in der abwechslungsreichen Diskografie von Metallica hinken solche Gegenüberstellungen. Die ersten Alben sind und bleiben ja da — und St. Anger zum Glück auch.


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St. Anger: Ein Metallica-Album unter besonderen Umständen

Die holprige Geschichte von St. Anger beginnt im Januar 2001. Es ist damals ruhiger um Metallica geworden; intern kriselt es. Trotzdem setzen die Kalifornier mehrere Besprechungen an, um ihr erstes Album seit vier Jahren zu planen. Dann kommt alles anders: Genau eine Woche nach einem schwer missglückten Meeting am 10. Januar gibt Bassist Jason Newsted bekannt, dass er nach 15 Jahren seinen Hut nimmt und Metallica verlässt. Ein wahnsinniger Schritt, den wohl nicht viele gewagt hätten. Als Erklärung nennt Newsted „private und persönliche Gründe sowie die körperlichen Schäden“. Heute wissen wir genauer, worum es bei seiner Entscheidung geht. Metallica stürzen noch tiefer in die Krise. Die Arbeit an ihrem achten Album nehmen sie dennoch auf.

Um neu starten zu können, mieten Metallica eine alte Kaserne auf dem sogenannten Presidio in San Francisco, einem ehemaligen Militärstützpunkt, der unmittelbar an einem der Enden der Golden Gate Bridge liegt. Der Hintergrund: Die erfolgsverwöhnten Superstars möchten ihre Komfortzone verlassen und das Gefühl erzeugen, das entsteht, wenn eine junge Band zum ersten Mal in einer Garage zusammenspielt. „Nur, dass die Band Metallica heißt“, ergänzt Produzent Bob Rock in der Dokumentation Some Kind Of Monster (2004) mit einem Augenzwinkern. Innerhalb von zwei Wochen lassen James Hetfield und Co. ein provisorisches Studio in die Räumlichkeiten bauen und verladen ihr Equipment. Im April 2001 starten die Sessions.

„Zum ersten Mal hatte ich keine Ahnung, wohin uns diese Reise führen würde“, erzählt Lars Ulrich später in einem Interview mit MTV. „Für mich war wichtig, dass alles so ehrlich wird, wie es nur geht.“ Um ihre internen und externen Schwierigkeiten zu verdauen, engagieren Metallica den „Performance Enhancement Coach“ Phil Towle, der zuvor vor allem mit Sportmannschaften zusammengearbeitet hatte. Er soll dafür sorgen, dass Metallica wieder zum Team werden. So ist es seine Aufgabe, bei der Verarbeitung von Newsteds Abgang zu helfen, die internen Konflikte in der Band zu moderieren und Metallica den Rücken zu stärken. Ein Kamera-Team fängt den therapeutischen Prozess für die mehr als zweistündige Doku Some Kind Of Monster ein. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass St. Anger unter aufreibenden Umständen entsteht. Dann folgt auch noch ein weiterer großer Rückschlag.

James Hetfield unterbricht und begibt sich in einen Entzug

Im Juli 2001 muss Metallica-Sänger James Hetfield die Arbeit unterbrechen. Seine Sucht hat ihn eingeholt und er begibt sich in eine Entzugsklinik. Der Ausfall kommt überraschend. Schlagzeuger Lars Ulrich und Gitarrist Kirk Hammett machen erstmal Urlaub, ohne zu wissen, ob und wann es weitergeht. Wird James überhaupt wiederkommen? Und falls ja, wird er für Metallica zur Verfügung stehen? Fragen, auf die im Sommer 2001 niemand eine Antwort weiß. Nach sechs Monaten ohne ihren Frontmann geben Metallica ihr Studio im Presidio auf und beziehen das brandneue Metallica HQ in San Rafael (Kalifornien). Im Dezember gibt Hetfield endlich ein Lebenszeichen von sich und im April 2002 können Metallica weiter an St. Anger arbeiten — wenn auch eingeschränkt.

Im Rahmen seiner Genesung soll Hetfield nur von zwölf Uhr mittags bis 16 Uhr nachmittags arbeiten. Das bringt einige Probleme mit sich: Zum einen kommt es zu Konflikten, weil Lars Ulrich und Kirk Hammett vor und nach den vereinbarten Zeiten weiterarbeiten. Hetfield hat das Gefühl, die Kontrolle über seine eigene Band zu verlieren, was für ihn auch in der Vergangenheit schon ein Thema war. Zum anderen sorgen die begrenzten Zeiträume für produktionstechnische Schwierigkeiten. Hetfield steht wenig Zeit zur Verfügung, um Gesangs- und Gitarrenspuren einzuspielen. Bisweilen müssen sich Metallica mit mittelguten Takes zufrieden geben. „Wir hatten keine Gelegenheit dazu, erstaunliche Leistungen aus James herauszuholen“, erklärt Produzent Rock. „Wir mochten das Rohe.“ Genau diese Rohheit wird St. Anger später auszeichnen.

St. Anger: Ein Schutzheiliger für Wut und Zorn

Inhaltlich beschäftigen sich Metallica auf St. Anger titelgemäß mit dem Thema Wut. „Ich weiß noch, wie jemand mir zur Zeit von Ride The Lightning einen Sankt Christopherus geschenkt hat“, erinnert sich Hetfield 2003 in einem Interview. „Nach einigen Jahren fand ich heraus, dass er der Schutzheilige der Reisenden ist. Als ich aus dem Entzug kam, wurde mir klar, dass wir keinen Schutzheiligen für Wut und Zorn haben. Und wenn es noch keinen gab, dann würde Metallica verdammt nochmal einen erfinden!“ (Passend zu diesem roten Faden entsteht der Clip zum Titeltrack St. Anger in einem Gefängnis.) Ob sein Kampf gegen den Alkoholismus, seine Kontrollsucht oder seine schwierige Kindheit: Auf St. Anger brüllt James Hetfield heraus, was ihn wütend macht — unterlegt mit einem musikalischen Donnerwetter, das Metallica vorher und nachher nie wieder abgeliefert haben. Gitarrist Kirk Hammett witzelt 2003 in einem Interview: „Bei Kill ‘Em All waren wir zornige junge Männer, und jetzt sind wir zornige ältere Männer.“

Es sind vor allem drei Dinge, die den Sound von St. Anger definieren. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass Metallica das Gaspedal über die gesamte Albumlänge von 75 Minuten durchtreten. Kurze Verschnaufpausen gibt es nur dann, wenn anschließend ein umso härteres Gitarrenbrett folgt. Theatralische Arrangements? Fehlanzeige. St. Anger ist ein Boxkampf ohne Handschuhe, darauf muss man sich einlassen. Gitarrensoli gibt es auf dem achten Metallica-Album nicht. Das ergibt im Gesamtkontext durchaus Sinn, denn hört man genau hin, sind passende Stellen für ein Solo tatsächlich Mangelware. „Wir wollten, dass die gesamte Aggression von der Band kommt, nicht von einem einzigen Musiker“, erklärt Bob Rock den Schritt. Das äußert sich sogar in den Texten, die auf St. Anger ein Gemeinschaftswerk sind. „Es war fast wie in der Schule mit einem Block und einem Stift“, erinnert sich Lars Ulrich. „Wir saßen alle zusammen und hatten Ideen. Dann gingen wir durch den Raum und jeder las dem anderen vor, was ihm eingefallen war. Am Anfang war das etwas einschüchternd, aber es war auch eine große Herausforderung und eine wunderbare Sache, um uns näher zusammen zu bringen.“ Dann wäre da noch die Sache mit der Snare-Drum …

Die Sache mit der Snare-Drum

Seit 20 Jahren gibt es unter Metallica-Fans ein Thekengespräch, das selten so endet, dass eine von beiden Seiten ihre Meinung ändert: den Snare-Sound auf St. Anger. Was für die einen perfekt zur animalischen Atmosphäre der Platte passt, tut den allermeisten in den Ohren weh. Der Legende nach beginnt der charakteristische Mülltonnenklang damit, dass Lars Ulrich bei einer Session vergisst, den Snare-Teppich festzustellen. Dadurch klingt ein Schlag auf die Trommel nicht wie der übliche Peitschenhieb, sondern eher wie ein „Klonk“. Der Sound gefällt ihm und Metallica verwenden ihn für das ganze Album. Diskussionen darüber, ob das eine gute oder eine schlechte Entscheidung ist, gibt es im Internet zuhauf. Vor allem gibt es dort aber einige interessante Klangexperimente.

So lädt der Musiker Daryl Gardner am 14. Januar 2015 eine eigene Aufnahme von St. Anger bei YouTube hoch, für die er die Snare richtig einstellt. Dadurch klingen die Songs natürlich anders — aber nicht unbedingt besser. Auch von Metallica selbst gibt es inzwischen zahlreiche Aufnahmen mit regulären Drum-Sound. Schon während der Tour 2003/2004 geht Lars Ulrich dazu über, den Snare-Teppich festzuziehen. Dennoch: Die Albumaufnahme passt. Besonders deutlich wird die Songdienlichkeit von Ulrichs Entscheidung, wenn man sich das Video „If Other Metallica Songs Had The St. Anger Snare Sound“ des kanadischen YouTubers Fountane anschaut. Durchkomponierte Stücke wie Master Of Puppets klingen mit gelöstem Snare-Teppich furchtbar. Dem aggressiven Fuel hingegen steht der Effekt ziemlich gut zu Gesicht.

Der neue Mann am Bass: Robert Trujillo

Die Bass-Spuren auf St. Anger spielt Produzent Bob Rock ein, denn als Metallica ihr achtes Album aufnehmen, haben sie noch keinen neuen Mann für die tiefen Töne gefunden. Das ändert sich Anfang 2003: Metallica lassen mehrere Bassisten für den freien Posten vorspielen, darunter Twiggy Ramirez (Marilyn Manson, A Perfect Circle), Scott Reeder (Kyuss, Unida), Pepper Keenan (Corrosion Of Conformity, Down), Chris Wyse (The Cult) und Eric Avery (Jane’s Addiction, Alanis Morisette). Den Zuschlag erhält am Ende Robert Trujillo, der damals noch in den Diensten von Metal-Papst Ozzy Osbourne steht und zuvor bei Infectious Grooves und Suicidal Tendencies gespielt hatte. Am  24. Februar 2003 verkünden Metallica ihren Neuzugang. (Ex-Bassist Jason Newsted heuert ironischerweise am 18. März bei Ozzy Osbourne an.)

Eigentlich soll St. Anger am 10. Juni 2003 erscheinen. Doch weil das Album bereits vorab in der illegalen Online-Tauschbörse Napster auftauchen könnte, darf es schon ab dem 5. Juni verkauft werden. In 14 Ländern stürmen Metallica die Pole Position der Charts; für die Single St. Anger kassieren sie 2004 einen Grammy für die „Best Metal Performance“. Die Kritiken fallen sehr gemischt aus. Bis heute polarisiert das achte Metallica-Album und hat in der Metal-Welt viele Feinde. Doch es gibt auch zweifelsohne genug Fans der Kalifornier, die das Album lieben. Auf der Bühne findet St. Anger seit 2005 nur selten statt. Viele der Songs haben Metallica bisher noch gar nicht live gespielt. Das letzte Stück auf der Platte kommt ab 2018 allerdings noch einmal zu spätem Ruhm.

All Within My Hands: Ein wandlungsfähiges Song-Monster

Es beginnt mit dem Live-Album Helping Hands…, auf dem Metallica All Within My Hands in einer akustischen Version zum Besten geben. In einer Art Dark-Country-Stil kitzeln die Musiker noch einmal völlig neue Facetten aus der ursprünglich sehr aggressiven Nummer heraus. Das hinterlässt wohl auch bei Metallica selbst einen bleibenden Eindruck, denn als James Hetfield und Co. im September 2019 ihr zweites Orchester-Live-Album S&M2 einspielen, entscheiden sich die Kalifornier dazu, den St. Anger-Closer in der umarrangierten Version in die Setlist aufzunehmen. In beinahe gespenstischer Weise offenbart die Orchester-Variante, was in den rohen Song-Gerüsten von St. Anger alles drinsteckt — auf jeden Fall einer der musikalisch spannendsten Beiträge auf S&M2!

Die Zeit nach St. Anger

Im Anschluss an die Veröffentlichung ihres achten Albums starten Metallica eine zweijährige Tour, spielen mehrere Festival-Gigs und legen eine zweijährige Pause ein, um Zeit mit ihrer Familie zu bringen. Der nächste größere Knall folgt im Februar 2006, als die Band verkündet, dass sie sich nach 15 Jahren von Produzent Bob Rock trennt, mit dem sie nicht nur St. Anger, sondern auch ihren größten kommerziellen Erfolg Metallica (1991) umgesetzt hatte. Stattdessen holen Metallica den legendären Rick Rubin an Bord und nehmen die Arbeit an ihrem neunten Album Death Magnetic auf. Am 12. September 2008, also mehr als fünf Jahre nach St. Anger, erscheint die Platte. Doch das ist wieder einmal eine andere Geschichte.

Fazit

Man muss St. Anger nicht mögen, keine Frage. Es ist nachvollziehbar, dass Metallica-Fans, die mit den ersten vier Alben oder mit der „Schwarzen“ aufgewachsen sind, Metallicas achtes Werk mindestens befremdlich finden. Doch wir müssen an dieser Stelle eine Lanze für die Platte brechen, denn sowohl für die Band selbst als auch für zahlreiche Jugendliche war St. Anger genau das Album, das Metallica 2003 rausbringen mussten. „Das Album ist extrem bedeutungsvoll für uns“, erklärt James Hetfield nach der Albumveröffentlichung im Gespräch mit MTV. In einem Interview von 2022 hält er fest: „Das Album ist ehrlich. Vielleicht kann man sich nicht damit identifizieren oder man mag den Sound nicht. Aber das ist der Punkt, an dem wir standen, und es ist das Album, das wir veröffentlicht haben. Vielleicht wird seine Zeit noch kommen … oder auch nicht.“ Mit Death Magnetic (2008), Hardwired… To Self-Destruct (2016) und 72 Seasons (2023) scheinen James Hetfield und Co. ihren Sound nun gefunden zu haben. Ob man den mag oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Doch ist es nicht etwas Gutes und Einendes, dass in der abwechslungsreichen Diskografie von Metallica für jeden etwas dabei ist?

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Alle Alben von Metallica im Ranking – die besten Platten der Bay-Area-Legenden

Popkultur

Zeitsprung: Am 1.10.1985 wird Madonnas Filmdebüt gegen ihren Willen veröffentlicht.

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Madonna Ende der Siebziger in New York - Foto: Michael McDonnell/Archive Photos/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.10.1985.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Viele Popstars wagen im Laufe ihrer Karriere einen Ausflug in die „benachbarte“ Film- und Fernsehwelt. Pop-Urgestein Madonna bildet da keine Ausnahme: Sie spielt zwischen 1985 und 2002 in 18 Spielfilmen mal größere, mal kleinere Rollen mit ebenso variierendem Erfolg. Ihr Debüt in A Certain Sacrifice von 1979 bringt ihr 100 Dollar – und dem Regisseur ein „Fuck You“. 

Hier könnt ihr das Album Like A Virgin anhören:

Mitte der Achtziger brennt sich Madonna für immer in die Netzhaut der Popkultur: In Brautkleid und Bustier singt die Meisterin der Provokation erst bei den MTV Awards Like A Virgin und schockt damit die konservativen USA, um wenig später im Musikvideo zu Material Girl im Marilyn Monroe-Look einmal mehr zu beweisen, dass Männer in ihrer Welt höchstens die zweite Geige spielen. Im Frühjahr 1985 geht Madonna mit dem Album Like A Virgin auf Tour und festigt ihren Status als neue Stil- und Musikikone. Die Platte verkauft sich weltweit über 14 Millionen Mal. Zur gleichen Zeit feiert sie ihr Debüt auf der Kinoleinwand mit Desperately Seeking Susan (hierzulande: Susan… verzweifelt gesucht).

Ein kleines Stück vom Glück

Nun möchte auch jemand anders ein Stück von Madonnas Ruhm abhaben und veröffentlicht am 1. Oktober 1985 Madonnas eigentliches Filmdebüt. Das hatte sie bereits 1979 gedreht, bis dato war es aber nie an die Öffentlichkeit gelangt. Und das unterscheidet sich deutlich vom Hochglanz-Hollywood-Streifen Desperately Seeking Susan: In der bizarren Low-Budget-Produktion A Certain Sacrifice spielt Madonna die Rolle der Bruna, einer New Yorkerin, die mit ihren drei „Liebessklaven“ auf der Lower East Side lebt. Als die Figur sich unerwartet in einen jungen Mann verliebt und mit ihrer Clique brechen will, wird sie vergewaltigt. Ein brutaler Ritualmord ist die Folge.

Mit nur 20.000 Dollar produziert Regisseur Stephen Jon Lewicki die 60-minütige Geschichte und zeigt sich vom Einsatz seiner Hauptdarstellerin begeistert. Die hatte sich mit einem dreiseitigen, handgeschriebenen Brief beworben, obwohl nicht mal eine Gage ausgeschrieben war. Letztlich erhält sie als einzige Schauspielerin 100 Dollar, um ihre Miete zahlen zu können.

„Fuck You“, Lewicki!

Sechs Jahre später ist die ursprüngliche Begeisterung für den Film verflogen: Neben einer Vergewaltigungsszene sind es vor allem die Oben-Ohne-Sequenzen, die Pop-Ikone Madonna Sorge bereiten. Über die geplante Veröffentlichung zeigt sie sich entsprechend erbost und versucht, diese zu stoppen. Bei einer privaten Vorführung in Lewickis Apartment reagiert sie schockiert auf das Ergebnis, brüllt „Fick dich!“ und stürmt aus der Wohnung. Im Anschluss verklagt sie Lewicki.

Das Filmposter zu „A Certain Sacrifice

Am 2. August 1985 verliert Madonna den Rechtsstreit jedoch, und der Streifen darf veröffentlicht werden. Nach einigen Filmvorführungen in New York wird A Certain Sacrifice auf Videokassette vertrieben. Die Reaktionen sind überwiegend positiv. So schreibt die New York Post: „Madonna ist sexy wie die Hölle.“ Erwartungsgemäß geistert er heute mit verschiedenen Coverartworks auch durch das Netz. Ihrer Karriere tut die Entblößung keinen Abbruch, im Gegenteil. Nur zwei Jahre später wird sie mit ihrer Who’s That Girl World Tour zur erfolgreichsten Popsängerin der Achtziger

Zeitsprung: Am 21.10.1992 veröffentlicht Madonna ihr Buch „Sex“ — samt Skandal.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.9.1978 veröffentlicht Gary Moore „Back On The Streets“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.9.1978.

von Christof Leim und Tom Küppers

Als Gary Moore am 30. September 1978 Back On The Streets veröffentlicht, hat er schon einige Bands hinter sich. Die Platte erscheint unter eigenen Namen, doch er kann auf helfende Freunde zählen. Insbesondere die Herren Lynott und Downey, zwei alte Bekannte aus Dublin, mischen mit.


Hört hier in Back On The Streets rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Dass bei Gary Moore etwas mit Musik gehen würde, zeichnet sich schon früh ab: Mit zehn bekommt er seine erste Gitarre in die Finger, schon im Alter von 16 Jahren wird er 1968 von der Dubliner Band Skid Row rekrutiert (nicht verwandt oder verschwägert mit den gleichnamigen Hardrockern aus New Jersey). Nach dem Ende dieser Truppe gründet er die kurzlebige Gary Moore Band und veröffentlicht 1973 das Quasi-Soloalbum Grinding Stone. 1974 hilft er kurzfristig auf der Bühne und im Studio bei Thin Lizzy aus und betätigt sich parallel bei den Jazzrockern Colosseum II. Als Lizzy Anfang 1977 vor einer gemeinsamen US-Tour mit Queen ohne Gitarrist dastehen, springt Gary wieder ein.



Insbesondere mit Lizzy-Frontmann Phil Lynott versteht sich Moore auf künstlerischer und persönlicher Ebene hervorragend. Doch das Angebot fest bei der seinerzeit populärsten irischen Band einzusteigen, lehnt der Gitarrist noch ab. Zum einen will er seine Colosseum II-Kollegen trotz kommerziellen Misserfolgs nicht im Regen stehen lassen, zum anderen steckt er zu diesem Zeitpunkt schon in den Vorbereitungen für sein erstes „richtiges“ Soloalbum.



Back On The Streets wird im Frühjahr 1978 unter der Aufsicht des legendären Hardrock-Produzenten Chris Tsangarides eingespielt. Neben Studiogrößen wie dem späteren Toto-Schlagzeuger Simon Phillips gastiert mit Phil Lynott und Trommler Brian Downey die Rhythmussektion von Thin Lizzy gleich auf mehreren Stücken. Und auch kompositorisch hinterlässt Lynott deutliche Spuren: Abgesehen von einer gelungenen Neueinspielung des Lizzy-Hits Don’t Believe A Word in balladesker Form profitiert Moore zwei weitere Male von den schöpferischen Fähigkeiten seines Freundes.



Fanatical Fascists zeigt sich von der wuchtigen Simplizität des aufkeimenden UK-Punk inspiriert, für den Lynott große Sympathien hegt. Für die größere Überraschung sorgt Parisienne Walkways: Der gemeinsam von Lynott und Moore geschriebene Schmachtfetzen entpuppt sich als Hit, der im vereinigten Königreich bis auf Position acht der Single-Charts vordringt. Bis heute fesselt die Nummer durch ihre wunderbaren Gitarrenlinien, 2014 trägt sie den japanischen Eiskunstläufer Yuzuru Hanyu gar zum Punkte-Weltrekord im Kurzprogramm. Und selbstverständlich profitiert auch das am 30. September 1978 veröffentlichte Back On The Streets-Album in Sachen Verkaufszahlen von diesem kommerziellen Überraschungserfolg.

Eine weitere denkwürdige (weil einzigartige) Performance gibt es im Januar 1979 im Rahmen der BBC-Sendung The Old Grey Whistle Test zu bestaunen. Für diesen Anlass rekrutiert Moore mit Lynott, Lizzy-Klampfer Scott Gorham, Keyboarder Don Airey und Trommel-Gott Cozy Powell eine All-Star-Truppe ersten Kalibers. Die Interpretationen des Titelsongs von Back On The Street und Don’t Believe A Word sind absolut mitreißend, bei letzterem lässt sich Gary selbst von einer gerissenen Saite nicht aufhalten.



Zu diesem Zeitpunkt befindet sich der Gitarrist allerdings bereits wieder mit Thin Lizzy im Studio, um als festes Bandmitglied deren Album Black Rose: A Rock Legend (1979) einzuspielen. Jedoch verlässt er die von Drogenproblemen geplagte Band im Sommer während einer laufenden US-Tournee wieder. Von dem Moment an widmet er sich fast ausschließlich seinen musikalischen Alleingängen, mit denen er in den kommenden Jahrzehnten so wohl im Hard Rock als auch im Blues epochale Gitarrengeschichte schreiben wird.

Zeitsprung: Am 30.5.1980 landet Gary Moores G-Force auf dem Rockplaneten.

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Popkultur

„Monsters Of California“: Alles über den UFO-Film von Blink-182-Sänger Tom DeLonge

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Tom DeLonge HEADER
Foto: Christopher Polk/Getty Images

Blink-182-Fans wissen: Frontmann Tom DeLonge hat nicht nur ein Faible für Rock, sondern auch für Roswell. Schon seit vielen Jahren interessiert er sich für UFOs, außerirdische Lebensformen und alles, was damit zu tun hat. Mit Monsters Of California bringt er bald seinen ersten Film raus. Und darin geht es natürlich um …

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Nine von Blink-182 anhören:

… genau. In Monsters Of California hängt der Teenager Dallas Edwards am liebsten mit seinen verpeilten Freund*innen herum. Eines Tages findet die südkalifornische Clique zufällig einige Unterlagen von Dallas’ Vater, die darauf schließen lassen, dass er beruflich mit mysteriösen und paranormalen Ereignissen zu tun hat. Die Jugendlichen verknüpfen ihre Erkenntnisse miteinander, stellen Theorien auf — und werden auf einmal von uniformierten Männern mit Maschinengewehren umstellt. Spätestens jetzt wissen sie, dass etwas Großem auf der Spur sind. Doch sie haben natürlich noch keine Ahnung, wie groß ihre Entdeckung wirklich ist …

Tom DeLonge: Pop-Punk-Ikone und UFO-Fan

Die meisten kennen Tom DeLonge als Sänger und Gitarrist der erfolgreichen Pop-Punks Blink-182. Doch der Kalifornier ist auch ein ausgewiesener Alien-Fan, der sich in seiner Freizeit ausgiebig mit UFO-Sichtungen, Area-51-Theorien, außerirdischen Lebensformen und paranormalen Aktivitäten beschäftigt. (Mit dem Song Aliens Exist vom Blink-182-Album Enema Of The State brachte er DeLonge beiden Leidenschaften 1999 unter einen Hut — und genau diese Nummer ist natürlich auch im Trailer von Monsters Of California zu hören.) Immer wieder hinterfragt und forscht er im Namen der Wissenschaft nach Aliens und sucht Erklärungen für diverse Verschwörungstheorien. Schräg, oder?

DeLonges Engagement geht so weit, dass er am 18. Februar 2017 zum Beispiel den „UFO Researcher of the Year Award“ von OpenMindTV verliehen bekam. 2015 erzählte er in einem Interview von einer mutmaßlichen Begegnung mit Außerirdischen — während eines Camping-Trips nahe der sagenumwobenen Area 51. „Mein ganzer Körper hat sich angefühlt, als sei er statisch aufgeladen gewesen“, versicherte der Sänger. Auch Freunde von ihm könnten über Begegnungen mit Aliens berichten. Außerdem verfüge er über Regierungsquellen und auch sein Telefon sei aufgrund seiner Forschungen schon abgehört worden. Wenn er meint …

Monsters Of California: Wann startet der erste Film von Tom DeLonge?

In den USA läuft Monsters Of California am 6. Oktober 2023 an, doch wann der Streifen in Deutschland erscheinen soll, ist bisher nicht klar. So oder so: Der Trailer verspricht mindestens einen unterhaltsamen Kinobesuch — nicht nur für Blink-182-Fans.

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blink-182: Alle Studioalben im Ranking

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